TSV Grünberg III schafft Durchmarsch - Routiniers und Talente als verschworenes Team
Benjamin Gössl. Es war ein Novum in der Geschichte des hessischen Basketball-Landesverbandes. Den Damen des TSV Grünberg III gelang nicht nur der direkte Durchmarsch als Aufsteiger zum Oberliga-Meister, gleichzeitig waren die Gallusstädterinnen auch die erste "dritte Mannschaft", die in der höchsten hessischen Spielklasse den Titel gewinnen konnte.
Betont defensiv gingen die von Trainer Ebi Spissinger gecoachten Gallusstädterinnen in die Saison. Der Klassenerhalt war vor der Runde das ausgegebene Ziel. Zu viele Unwägbarkeiten waren zu beachten. "Am Anfang wussten wir nicht wo wir stehen. Die Zusammensetzung der Liga, aber auch der Mannschaft, war schwer einzuschätzen", erläutert Spissinger. Nur eins war vorher klar: Junge Spielerinnen übernahmen im Konzept eine wichtige Rolle, die Ausbildung der Talente sollte forciert werden. Da jedoch nicht klar war, welche Spielerinnen an den Wochenenden zur Verfügung stehen - mehrere Akteurinnen sind gleichzeitig auch in anderen TSV-Teams aktiv - gingen die Grünbergerinnen die Mission Klassenerhalt mit einem prall gefüllten 18er-Kader an.
Aus diesen 18 Spielerinnen kristallisierte sich nach und nach das Stammpersonal heraus. "Wir waren in der glücklichen Situation, dass wir mit Manuela Philippi, Renate Mäder, Monja Steuger und Franziska Knöß auf vier erfahrene Akteurinnen zurückgreifen konnte, die letztes Jahr zum Teil noch in Regionalliga gespielt haben", so Spissinger. Mit den Routiniers verfügte der TSV-Trainer über ein qualitativ hochwertiges Grundgerüst, das durch die Mischung mit den Grünberger Eigengewächsen zu einer schlagkräftigen Truppe zusammenschmolz. Die Grünbergerinnen merkten schnell, dass sie in der Liga nicht nur mithalten, sondern sich in der Spitze behaupten konnten. "Nach den erste vier Spielen haben wir gemerkt: Mensch, wir können oben mitspielen. Das hat den Ehrgeiz geweckt", erklärt Spissinger. Zwar gab es am sechsten Spieltag mit der Schlappe gegen Homburg noch mal einen kleinen Dämpfer, aber die zweite Saisonniederlage sollte die letzte bleiben.
"Nach den erste vier Spielen haben wir gemerkt: Mensch, wir können oben mitspielen. Das hat den Ehrgeiz geweckt"
Trainer Ebi SpissingerVon da an setzte der TSV zum Siegeszug an und verlor kein Spiel mehr. Das Erfolgsmodell der Korbjäger beruhte dabei auf drei wesentlichen Säulen. "Zum einen hatten wir vier hochkarätigen Routiniers, hinzu kamen die talentierten jungen Spielerinnen, zum dritten hatten wir eine ausgesprochene Harmonie in der Mannschaft. Man hat einfach gemerkt, dass alle in jeder Trainingseinheit und im Spiel richtig Spaß an der Sache hatten", erklärt Spissinger die Erfolgsstrategie. Nicht nur das Miteinander der Spielerinnen war ein Grundstein, auch die Art und Weise, wie das TSV-Ensemble auf dem Parkett agierte. Die Grünbergerinnen stellten die aggressivste Verteidigung der Liga, ließen die Gegner nur selten zur Entfaltung kommen. Hatte der TSV erst einmal den Ball erobert, ging es im Expresstempo in Richtung gegnerischer Korb. Und da lauerte dann in Person von Monja Steuger die überragende Scorerinnen der Oberliga. Das alleine machte die Gallusstädterinnen aber nicht zum Meister. "Wir waren unheimlich schwer auszurechnen, denn alle anderen waren auch in der Lage zu punkten", erklärt Spissinger mit Verweis auf die Statistik.
Im Zusammenspiel funktionierte bei den Gallusstädterinnen fast alles. Die bunte Mischung entwickelte sich zu einem verschworen Haufen. "Der Titelgewinn wurde zu einem Selbstläufer. Ich musste nicht viel dazu beitragen", so Spissinger, der in seiner Abwesenheit entweder von Alexander Mäder oder Katja Schröder an der Seitenlinie vertreten wurde. Egal, wer von der Bank aus die Kommandos gab, die Truppe hatte viel Spaß und wandelte das in sportlichen Erfolg um. Und mit der Meisterschaft gelang es Grünberg III sogar, Basketballgeschichte in Hessen schreiben.
Gießener Anzeiger